Ein schönes Kompliment während der Ausstellung auf den Rencontres Internationales de la Photographie d’Arles.
Dieses Jahr sind von mir in Arles Werke zu sehen, bei denen der Fokus meiner Arbeiten auf der Generierung unserer vermeintlichen Wirklichkeit liegt. Alles, was wir als real wahrnehmen oder auf einem „Foto“ sehen, kann von mir basierend auf meiner individuellen fotografischen Ästhetik generiert werden. Dies basiert auf meinen eigenen trainierten KI-Modellen. Unter dem Titel „How It Starts and How It Ends“ sind von mir Bilder aus meinen neuen Arbeiten wie „How It Starts and How It Ends“ und „How It Starts and How It Ends III (Flo says)" zu sehen, sowie Abzüge von analogen Arbeiten aus „Heimat II“ und „Two One Zero“. Grundlagen, genauer gesagt das Fundament meiner Machine-Learning-/KI-Bilder, sind gerade diese analogen Bilder. Bei den ausgestellten Werken fließen Fotogrammetrie, KI und Machine Learning und Fotografie gemeinsam ein. Alles linsenbasierte Medien schließlich.
Ein schönes Kompliment Ich hatte zudem viele Gespräche in Arles. Ich merke und spüre auch dort viel Skepsis mir gegenüber, wenn ich sage, dass ich mit Machine Learning und Fotogrammetrie arbeite. Ironischerweise verstehen nach wie vor viele Menschen einfach nicht, dass meine Art und Weise, mich mit Machine Learning bzw. KI zu beschäftigen, nichts mit dem zu tun hat, was sie meistens mit KI assoziieren. Viele sind nach wie vor davon überzeugt, dass Prompten das ist, was KI ist: also einen Text „irgendwo in eine Maske“ eingeben, und dann kommt was raus – ob Bilder, Texte, Videos und so weiter. Ich werde an dieser Stelle nicht zum tausendsten Mal etwas von Mathematik, Statistik und Algorithmen erzählen. Aber ich möchte erzählen, wie eine nette Frau, nach einem längeren Gespräch über meine Bilder, mich anlächelte und mir sagte: „Na ja, was Sie machen, ist schon interessant, aber im Grunde schaffen Sie sich ja ein eigenes Genre.“ Ich fand das sehr schön und irgendwie passend. Ich denke seitdem darüber nach und muss zugeben, dass mir die Idee, dass ich eigentlich was ganz Eigenes gerade schaffe, sehr gefällt.
Daraus resultiert, vielleicht auch noch mal an all diejenigen, gerade in Kunst und Kultur, die sich mit Händen und Füßen gegen Machine Learning wehren: Bitte, wirklich bitte, informiert euch über die Technologie. Vergleicht nicht KI-Angebote von Unternehmen und Konzernen, die auch ihr auf euren Smartphones habt, mit dem, was z. B. ich mache – dies nur mit Open-Source und eigenen KI Modellen, Arbeitsabläufe etc. Und wenn das alles zu anstrengend ist, dann lest euch mal Literatur aus der Zeit durch, als die Fotografie gesellschaftlich salonfähig wurde. Gerade die Malerinnen hatten der Fotografie unterstellt, sie sei der Anfang vom Ende: das Ende der Malerei, der Kunst, vielleicht sogar der gesamten Welt. Und hier, liebe Künstlerinnen, Lehrende, KritikerInnen, Wissenschaftlerinnen …: Machine Learning wird die Fotografie nicht ersetzen. Genauso wenig, wie die Malerei damals durch die Fotografie ersetzt wurde. Aber die Engstirnigkeit, Angst und das Unvermögen, positiv auf Neues zuzugehen, wird vermutlich bei den meisten Menschen für immer bleiben.
Informationen zur Gruppen-Ausstellung im FOTOHAUS, erhalten Sie hier.
Ein paar Eindrücke aus der ersten Ausstellungswoche: