Florian Albrecht-Schoeck

Warum mein 20 Jahre alter iPod fast jedes aktuelle Smartphone alt aussehen lässt!

Veröffentlicht am 10.05.2026

Künstler Blog: Mein über 20 Jahre alter iPod beim landen in meiner Hand

Umso älter ich werde, desto mehr fällt mir auf, wie sehr sich meine Umwelt verändert. Ironischerweise werden viele der aus meiner Sicht wichtigen Veränderungen durch Computer im Allgemeinen herbeigeführt. Ich selbst gehörte schon damals zu den Personen, die man in ihren Holzfällerhemden, mit ihrem seltsamen Musikgeschmack und der überaus großen Vorliebe, Probleme an oder mit Computern zu lösen, als Nerd bezeichnete. Ironischerweise sind Computer heute überall. Und ja, dein Smartphone ist auch nur ein Computer – aber mit Touchscreen!

Da ich neben Erinnerungen, in den letzten über 40 Jahren auch viele Gegenstände angesammelt habe, die ich oftmals mit dem Gedanken „Das sortiere ich bald“ in Pappkartons horte, versuche ich seit einigen Jahren, mir jedes Jahr einen Tag zu nehmen, an dem ich Kiste für Kiste öffne, Dinge aussortiere und auch wegwerfe. Ich weiß, das klingt auch vernünftig – aber ehrlich gesagt bekomme ich es nur bedingt hin. Gestern war jedoch so ein Tag, an dem es geklappt hat. Voller Tatendrang habe ich Kiste für Kiste bei mir zu Hause geöffnet. Ich unterteile in vier Kategorien: Papiermüll, Restmüll, Sperrmüll und „Oh, das behalte ich, das kann man sicher noch mal benutzen!“

Zwischen Papier, Schrauben, Socken und alten Videospielen hielt ich plötzlich meinen alten iPod in der Hand. Den muss ich im Jahr 2004 gekauft haben – also vor 22 Jahren. In einer anderen Kiste hatte ich zuvor das alte Ladekabel dafür gefunden. Mit dem Gedanken „Der geht sicher nicht mehr“ habe ich ihn angeschlossen: Ich stecke das Ladekabel in das Gerät. Kurze Zeit später erscheint das Apple-Logo auf dem Bildschirm, verschwindet wieder und zeigt mir einen Ladebalken an. Ich denke mir: „Okay, geht der Akku in dem Ding überhaupt noch?“ Ich lasse ihn ein bisschen laden. Nach ein paar Minuten nehme ich das Gerät in die Hand, drücke auf den mittleren Knopf – und zack, bin ich im Menü! Um es kurz zu machen: Das Gerät funktioniert noch.

Während ich ein wenig in Nostalgie verfalle, denke ich mir: „Warte mal – das Teil ist über 20 Jahre alt und könnte, wenn ich wollte, sofort wieder für den Zweck genutzt werden, für den es gebaut wurde.“ Ich weiß nicht mal, ob man mit den aktuellen Apple-iTunes-Versionen überhaupt noch einen iPod aus dem Jahr 2004 nutzen kann. Aber unter meinem Linux wurde das Gerät sofort erkannt, und ich konnte es nutzen.

Dann habe ich in einem Gedankenspiel dieses Gerät mit meinem Smartphone verglichen – mit folgenden Fragen:

Wird mein Smartphone noch in 20 Jahren nutzbar sein? Ich denke eher nicht. Wie lange geben die Anbieter Updates für Geräte? Was macht der iPod mit meinen Daten? Mein iPod hat keinen Internetzugang. Das Teil ist einfach nur da, um das zu tun, wofür es gebaut wurde: Musik abspielen!

Das Menü und das Gerät sind heute in meinen Augen noch immer sehr innovativ und erklären sich von allein. Zudem finde ich auf Anhieb, was ich suche. Mit etwas Geschick und Recherche könnte ich das Gerät theoretisch sogar selbst reparieren – oder jemanden Fachkundigen dafür finden. Es ist wirklich ein sehr seltsamer Moment, wenn man realisiert, dass Geräte und ihre Funktionen vor etwa 20 Jahren oftmals dafür gebaut wurden: lange zu funktionieren und vor allem unabhängig nutzbar zu sein auch von datenhungrigen Unternehmen.

Ich benötige für das Gerät keine Cloud, kein Login, keinen Account. Nur meine Dateien, die ich per Kabel auf mein Gerät kopieren kann. Das funktioniert natürlich alles out of the box mit meinem Linux.

Jetzt habe ich meinen 20 Jahre alten iPod neben mein aktuelles iPhone gelegt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der iPod auch meine aktuellen Geräte überleben wird. Ich kann das nur für mich sagen, aber ich bin ein riesiger Fan von Technik. Aber ich möchte die Geräte für mich nutzen – und nicht als Datenproduzent für Unternehmen durch die Welt laufen. Dazu nur mal so nebenbei: Ich habe gerade in meinen Server zu Hause geschaut, der auch Werbung und Tracker aus meinem Heimnetzwerk fern hält: Applikationen auf meinem iPhone versuchen auch nachts wenn ich schlafe, Standortdaten, Bewegungsprofile usw. an verschiedene Server zu senden. Der iPod daneben? Tut nichts. Ist in keinem Netzwerk. Und wartet darauf, das zu tun, wofür er da ist: Musik abzuspielen. Nicht mehr und nicht weniger. Das sollte ein Telefon in meinen Augen auch! Ich suche jetzt nach Erstazteilen für mein iPod aus dem Jahr 2004!