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24.02.2021

„Kurzgeschichte“ & „Im Lager“ von Florian Albrecht-Schoeck (2011)

Meine beiden Werke „Kurzgeschichte“ & „Im Lager“ entstanden parallel im Jahr 2011. Es handelt sich um eine zwölfteilige Serie sowie eine 6 mal 1 Meter großen Wandarbeit. Die Bilder dieser beiden Werke sind alle im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Marburg vor der damaligen Renovierung des Hauses entstanden. Ich arbeitete damals mit einer analogen Mittelformatkamera und einem Stativ. Die Schwarzfilme entwickelte ich unter meinem Schlafsack, welcher mir als Dunkelkammer diente.

„Im Lager“
Die Wandarbeit „Im Lager“ entstand im damaligen Bilderdepot des Museums. Das 6 mal 1 Meter große Bild ist aus 12 einzelnen Mittelformat Negativen zusammen gesetzt. Nach jedem gemachten Bild positionierte ich die Kamera im identischen Abstand ein Stück weiter der Wand entlang. Durch die Zusammensetzung der Fotonegative erinnerten mich die strengen vertikalen Regalteile an Gefängnisgittern. Wer oder was könnte da gefangen sein? Wer würde darüber entscheiden, was dort rein kommt oder nicht. Meine Assoziationen waren sehr schnell bei der Thematik von verbotener bzw. wegsperrten Kunstwerken: Kunst, die nicht gezeigt werden soll oder darf. In diesem Moment entschied ich mich dafür, dem Werk den einfachen, aber weitreichenden Titel „Im Lager“ zu geben. „Im Lager“ bezeichnet zum einen erst mal einen Ort, an dem etwas gelagert wird. Für mich ist das deutsche Wort „Lager“ aber unweigerlich mit den Schrecken des 2. Weltkrieges verbunden. Dieser Aspekt gibt für mich der Arbeit eine zusätzliche und wichtige inhaltlichen sowie assoziative Richtung mit. Man kann meiner Meinung nach nicht oft genug daran erinnern und ansprechen, zu was für furchtbaren Dinge Menschen in der Lage waren und immer noch sind.
Die Wandarbeit selbst ist mittlerweile Teil der Museumssammlung in Marburg geworden. 

„Kurzgeschichte“
Bei der Serie Kurzgeschichte versuchte ich mithilfe der Fotografie mir den Ort „Museum“ zu definieren. Mit freundlicher Unterstützung des Museums kam ich an Orte, die Besuchern normalerweise verwehrt sind, beispielsweise in einige Werkstätten, dem Rahmenlager oder auf dem Dachboden. Dabei durchstreifte ich das Museum mit meiner analogen Mittelformatkamera wie eine mir fremde Region bei meinen Reisen. Ich fotografierte meine Motive, welche ich dann unter meinem Schlafsack entwickelte. Der Titel zu dieser Arbeit kam mir bei der Zugfahrt nach dem fotografieren auf dem Weg nach Hause. Ich verstand ein Museum als einen Ort, der mir aus der Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch ein wenig aus der Zukunft über uns Menschen verriet. Oftmals werden die musealen Exponate nach Epoche, Stil oder Künstler sortiert und gezeigt. Dies war für mich immer ein „kurzer“ Ausschnitt bzw., Moment der „Geschichte“. Daher nannte ich diese Arbeit: „Kurzgeschichte“.

Die Arbeiten können Sie sich hier anschauen:
Kurzgeschichte (2011)
Im Lager (2011)