Guided Tour with the artist Florian Albrecht-Schoeck

"New Works in Dialogue. Art Collection Deutsche Börse" The Cube, Eschborn. www.deutscheboersephotographyfoundation.org

Updated catalogue

2008-2016 (March / März) / 296 Pages/20cm x 25cm / Digitalprint

CV / CONTACT

 

CV

 

Name

Florian Albrecht-Schoeck

 

Date of Birth / Geburtstag

18. March / März 1980

 

Place of Birth / Geburtsort

Darmstadt (Germany)

 

Collections / Sammlungen

2015 - Art Collection Deutsche Börse

2011 - Museums für Kunst und Kulturgeschichte Marburg

2011 - Künstlerhilfe Frankfurt e.V

 

Scholarships & Awards / Förderungen und Stipendien

2014 - Union Investment Kunst Förderung

2011 - Frankfurter Künstlerhilfe stipend

2011 - Deutsche Börse and HfG photo award

 

Education / Ausbildung

HfG Offenbach - University of Art and Design / University Diplom Fine-Arts

Clemens Mitscher, Photography

Prof. Martin Liebscher - Diplom: Photography

Prof. Dr. Marc Ries - Diplom: Media Sociology

 

Exhibtion Catalogue (Selection) / Ausstellungs Kataloge (Auswahl)

2015 - Transit - Schader Stiftung Darmstadt, Darmstadt

2015 - New Frankfurt Internationals, Kunstverein Frankfurt , Frankfurt

2014 - Postions Berlin - Berlin Art Week, Frankfurt

2013 - Zeit und Zeuge, Kunstverein Marburg, Marburg

2012 - Spieglein, Spieglein, Katalog zur Ausstellung HfG OF

2012 - Darmstädter Tage der Fotografie

2012 - on-off-on, Naspa, Wiesbaden

 

Press / Presse (Selection / Auswahl)

06.11.2015 - F.A.Z - Vor den Trümmern der Vergangenheit

19.11.2015 - Frankfurter Rundschau - Einblick ins Private

09.10.2015 - SCHIRN MAGAZIN - TRANSIT: ORTE

09.10.2015 - FNP - Die Sossenheimer Seele ausloten

03.07.2015 - FNP - Die Stadtteile mal anders gesehen

05.06.2015 - FNP - Ausstellung zeigt Alltag der Bewohner des Stadtteils

28.02.2014 - Frankfurter Rundschau - Inszenierte Einblicke

21.11.2014  - FNP - Gemeinsam sind wir Ginnheim

01.05.2014 - DIE WELT - Eine vermeintlich heile Welt

02.05.2014 - Hessischer Rundfunk - Frankfurt ganz privat

01.05.2014 - DIE WELT - Eine vermeintlich heile Welt

21.11.2013 - FNP - Bilder eines Stadtteils

21.03.2014 - Oberhessische Presse

19.03.2014 - FNP - Fotos erzählen vom Leben in Seckbach

13.03.2014 - Oberhessische Presse - Zwischen Kunst und Dokumentation

10.03.2014 - Hessischer Rundfunk – Der Bilderflut entgegen

 

Photobooks / Fotobücher

2015 - After-Aftermath, self-published

2015 - Humankapital, self-published

2013 - Vaterland, self-published

2012 - Fabled City, self-published

2012 - All About, self-published

2010 - Lost, self-published

2009 - Verzehren und Verzerren, self-published

2009 - Minha Terra, self-published

2008 - Kraj Rodzinny, self-published

2008 - Heimat, self-published

 

 

Contact

 

E-Mail

florian (at) albrecht-schoeck.com

 

Social-Media

www.facebook.com/Florian.Albrecht.Schoeck/

www.instagram.com/florian_albrecht_schoeck/

 

 

 

 

Exhibitions

2015 / 2016 - TRANSIT: ORTE - Galerie der Schader Stiftung & Hessisches Landesmuseums Darmstadt

2014 - Marburger Kunstverein (Fotos: Dieter Haber)

2014 - Marburger Kunstverein (Fotos: Dieter Haber)

2015 / 2016 - TRANSIT: ORTE Galerie der Schader Stiftung und HLMD.

2015 - NEW FRANKFURT INTERNATIONALS II – Frankfurter Kunstverein

2015 - In Frankfurter Gesellschaft VIII

2015 - In Frankfurter Gesellschaft VII

2015 - In Frankfurter Gesellschaft VI

2014 - Positions Berlin (Berlin Art Week)

2014 - Zeit und Zeuge - Anna Pekala und Florian Albrecht-Schoeck, Marburger Kunstverein

2014 - In Frankfurter Gesellschaft V

2014 - In Frankfurter Gesellschaft III

2014 - In Frankfurter Gesellschaft II

2013 - BROT UND SPIELE – Humboldt Universität Berlin

2013 - „Ausgezeichnet“ – Unternehmenszentrale der Deutschen Börse, The Cube - Eschborn.

2013 - In Frankfurter Gesellschaft I

2013 - Fotobookfestival 2013 – Kassel, Mailand, Dublin & Paris

2012 - Phantom & Oper - Stadt Gallerie Bad Soden

2012 - Ein Durchgang – RAY 2012 - Fotografie Forum Frankfurt am Main

2012 - Darmstädter Tage der Fotografie

2012 - ON-OFF-ON – NASPA Bank Wiesbaden

2012- Remote Control – Berlin

2012 - SPIEGLEIN, SPIEGLEIN – Fotografie Forum Frankfurt am Main

2011 - HfG Rundgang 2011 - Offenbach am Main

2011 - Aubruch/Umbruch – Museum für Kunst und Kulturgeschichte Marburg

2011 - Nebenwirkungen – HfG SatelitBerlin

2010 - B-ED 2047 – Kunstverein Marburg

2010 - Klassentreffen – HfG Satelit Berlin

2010 - Festival der Jungen Talente – Frankfurt am Main

2010 - HfG Rundgang – Offenbach am Main

2010 - Metro Polen – Potsdam

2010 - Photokina - Köln

2010 - Coop 1 – Ehmalige Diamantenbörse Frankfurt am Main

2009 - Heimatfestival – Potsdam

2009 - Ölhalle – Offenbach am Main

2009 - Kraj Rodzinny – HfG Satelit Berlin

2008 - Heimat – HfG Offenbach

Text

The photographs of F. Albrecht-Schoeck  / Text written by Daniela Leykam

 

The photographs of Florian Albrecht-Schoeck direct the gaze at society and confront the observe with it. With his analog camera the artist observes and explores socio-political issues. However, his images, which he often captures on his travels, are not to be understood as a documentation of a certain area or region. In the series the detached central perspectives interact with compelling close-up shots. Thanks to the reliance on black-and-white film, the themes are ultimately removed from their context and lose their connection to a location. The artist does not attempt to explain, lesser still to define a term like „home“ and instead explores it in a socially critical way and treats it as a universal experience. The sharpness of the images, their clearly-structured compositions, and the deserted air of the themes create an atmosphere that goes far beyond pure documentation. Signs of human life are always evident even though people hardly ever feature in the photos. The calmness of the images, however contradictory this may seem, often evokes tension and a sense of irritation.

 

Florian Albrecht-Schoeck always develops his own photographs, often while on the road. He generally uses his sleeping bag as a dark room and disregards the rules about time and temperature. In other words, the chemical process is determined by the artist’s intuition. The streaks or scratches this method produces are equivalent to a distorted perception and refer back to the medium of analog film.

 

 

Source: http://newfrankfurtinternationals.de/index.php?id=56&L=1

Die Fotografien von F. Albrecht-Schoeck / Text verfasst von Daniela Leykam

 

Die Fotografien von Florian Albrecht-Schoeck richten den Blick auf unsere Gesellschaft und konfrontieren den Betrachter mit ihr. Der Künstler beobachtet und erkundet mit seiner analogen Kamera gesellschaftspolitische Themen. Doch sind seine Arbeiten, die häufig auf Reisen entstehen, nicht nur als Dokumentation eines bestimmten Landabschnitts oder Region zu verstehen. In den Serien entsteht ein Zusammenspiel aus distanzierten Zentralperspektiven und insistierenden Nahaufnahmen. Die Motive sind nicht zuletzt durch das Medium der Schwarz-Weiß-Aufnahme ihrem Kontext enthoben und verlieren ihren Ortsbezug. Ein Begriff wie »Heimat« will hier nicht erklärt oder gar definiert, sondern sozialkritisch und als universale Erfahrung erforscht werden. Die Schärfe der Fotografien, ihr klar strukturierter Bildaufbau und die Verlassenheit der Motive schaffen eine Atmosphäre, die über reine Dokumentation weit hinausgeht. Der Mensch als Subjekt ist dabei immer präsent, auch wenn er fast nie gezeigt wird. Die Ruhe der Bilder, denen eine Widersprüchlichkeit zu Grunde liegt, ruft Spannung und ein gewisses Unbehagen hervor.

 

Florian Albrecht-Schoeck entwickelt seine Fotografien immer selbst und häufig von unterwegs aus. Dafür verwendet er seinen Schlafsack als Dunkelkammer und hält sich nicht an Zeit- oder Temperaturvorgaben. Der chemische Prozess ist also an die Intuition des Künstlers gebunden. Die Schlieren oder Kratzer, die dadurch entstehen, gleichen einer Störung im Wahrnehmungsprozess und verweisen auf ihr Medium.

 

 

Quelle: http://newfrankfurtinternationals.de/index.php?id=56&L=0

ZEIT UND ZEUGE, Marburger Kunstverein  - Vorwort im Ausstellungskatalog / Text verfasst von Anne-Marie Beckmann, Art Collection Deutsche Börse

 

Die Ausstellung »Zeit und Zeuge« zeigt fotografisch Arbeiten der beiden jungen Künstler Anna Pekala und Florian Albrecht-Schoeck, die sich kritisch und engagiert mit unserer heutigen Gesellschaft auseinandersetzen. Die Bildsprache, die sie jeweils dafür wählen, könnte kaum unterschiedlicher sein, dennoch erkennen wir in beiden Werkgruppen die gleiche Ernsthaftigkeit und den respektvollen Blick auf ihre Motive.

 

Anna Pekala portraitiert in ihren Serien »Sinti und Roma« und »Ben Gurion Ring« Menschen, die inmitten unserer Gesellschaft leben und dennoch – ethnisch oder räumlich bedingt – einer in sich geschlossenen Gruppe angehören. Für Anna Pekala haben sie nicht nur ihre Türen sondern auch sich selbst geöffnet. Es ist ihr gelungen, in einem sozial schwierigen Umfeld würdevolle Portraits fernab jeglicher Klischees und Vorurteile zu schaffen, die in einem harmonischen Zusammenspiel von Selbstinszenierung und künstlerischem Arrangement changieren. Trotz bisweilen kitschig überladener Räume und Accessoires sind Anna Pekalas Bilder von einer fast strengen Klarheit. Sie zeugen von Neugier, subtilem Humor und ihrem einfühlsamem Interesse an den Menschen, denen sie begegnet.

 

Florian Albrecht-Schoeck setzt sich in seinen fotografischen Serien ebenfalls mit seinem Umfeld auseinander, fokussiert sich dabei jedoch mehr auf Landschaft, Architektur und Raum – vertrauten ebenso wie fremden. Mit wachsamem Blick legt er Strukturen offen, findet das Beachtliche im Unauffälligen und verweist auf Widersprüche und Verlorenheit. Unter dem Titel »Kurzgeschichte« zeigt er eine Fotografische Arbeit, welche in den Räumen des Marburger Universitäts-Museums entstanden ist. Sie zeigt das Museum als Ort, an dem Kunstwerke und Dokumente Aufschluss über Vergangenes und Gegenwärtiges geben. »Kurzgeschichte« über- zeugt nicht nur durch einen hervorragenden fotografischen Blick hinter die Kulissen und auf die Geschichte des Hauses. Sie ist darüber hinaus ein einfühlsames und bisweilen humorvolles Portrait eines Museums, das selber zu einem Ausstellungsstück geworden ist. Ebenfalls Teil der Ausstellung ist die monumentale Wandarbeit »Im Lager«, die in Originalgröße das Bilderlager des Museums von vorne zeigt und an einen überdimensio- nalen Barcode erinnert. In seinen Serien »Kraj Rodzinny« und »Lost« geht Florian Albrecht-Schoeck auf die Suche: nach den eigenen Wurzeln, nach dem Gefühl von Heimat und dem der Fremde.

 

Beide Künstler zeichnen mit ihren Werken ein kritisches Bild unserer Gesellschaft, welches in seiner zurückgenommenen und dennoch kraftvollen Bildsprache nachhaltig wirkt und seine Betrachter dazu anregt, seine eigenen Sehgewohnheiten zu hinterfragen.

ZEIT UND ZEUGE, Marburger Kunstverein - Über die Ausstellung / Text  verfasst von Fabian Reifferscheidt M.A. (Kompletter Text im Katalog)

 

Wir leben in einer Zeit extremer Bilderfluten. Auf Grundlage des technologischen Fortschritts im 21. Jahrhundert ist eine pausenlos bilderproduzierende Gesellschaft entstanden, in der jedes Ereignis, jeder Ort und jede Handlung würdig erscheint, festgehalten und konserviert zu werden. Die damit verbundenen Herausforderungen zu erkennen und für diese zu sensibilisieren, ist Aufgabe der Kunst und der mit ihr verbundenen Wissenschaften.

 

Die Ausstellung Zeit und Zeugen im Marburger Kunstverein stellt dem oberflächlichen Dokumentations-wahn, der sich in der medialen Bilderflut offenbart, zwei Positionen entgegen, denen es anhand komplexer künstlerischer Strategien gelingt, erzählerische Dimensionen zu öffnen, die weit über das Festhalten der sichtbaren Welt hinaus gehen. Sowohl Anna Pekala als auch Florian Albrecht-Schoeck sind in ihrer Arbeit fest im Bereich der sozialkritischen Fotografie verankert, auch wenn sich ihre Herangehensweisen fundamental voneinander unterscheiden.

 

Pekalas bevorzugtes Medium ist die Porträtfotografie. In zahlreichen Serien hat sie Menschen besucht und in einer Mischung aus Selbstinszenierung und kontrollierter künstlerischer Intervention Milieustudien geschaffen, die intime Einblicke in das Leben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen erlauben. Grundlage und Voraussetzung aller Fotostrecken Pekalas ist das Zugehen auf die jeweiligen Protagonisten ihrer Bilder. Gegen- seitiges Vertrauen und der Verzicht auf unnatürliche Inszenierung lassen eine Bildsprache entstehen, deren herausragender Mehrwert darin liegt, tief verwurzelte Vorurteile in ihrer Oberflächlichkeit zu entlarven.

 

In den Arbeiten Florian Albrecht-Schoecks spielt der Mensch als Motiv zunächst keine Rolle. In seinen Fotostrecken und Einzelwerken bilden vor allem außergewöhnliche Orte das Fundament einer vielschichtigen, immer auch politisch verstandenen Ästhetik. Albrecht-Schoecks Topografien führen den Betrachter an Orte, die entweder streng bewacht oder aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwunden sind. Mit sicherem Gespür für Raum und Lichtkom-positionen gelingt es ihm immer wieder aufs Neue, seine Motive so zu interpretieren, dass sie sich als gesellschafts-kritische Chiffren im Bewusstsein des Betrachters festsetzen.

 

Beiden Künstler sind das beeindruckende Engagement und ihr Interesse an gesellschaftlichen Fragen gemein. Der Welt der schnelllebigen Bilderflut begegnen sie mit journalistischem Fleiß und poetischer Bildsprache. Die Produkte ihrer Arbeit erreichen dabei eine Qualität, die das Prädikat Zeitzeugen verdient und einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlichen Diskussionen leistenkann.

Über die Arbeit "CRUSADERS" / Text verfasst von Fabian Reifferscheidt M.A.

 

"you know..."

 

Keine andere Streitkraft der Welt ist medial so präsent wie die United States Army. Auf der einen Seite ist sie eine konstante Protagonistin der Nachrichtenwelt, deren Mitglieder mal als Befreier unterdrückter Völker gefeiert, mal als folternde Kriegsverbrecher angeklagt werden. Auf der anderen Seite steht die US-Armee immer wieder im Rampenlicht der internationalen Unterhaltungs- kultur, die in Kinoerfolgen wie „Full Metal Jacket“ oder „Wir waren Helden“ ein nicht minder zwiespältiges Bild der Streitkräfte nachzeichnet. Es ist eben diese Zerrissenheit in der öffentlichen Wahrnehmung und die damit verbundene, nicht enden könnende und nicht enden dürfende Diskussion, in dessen Kontext die neuste Fotografie-Text Arbeit von Florian Albrecht-Schoeck einzuordnen ist.

 

 

Doch Albrecht-Schoeck folgt einer ungewöhnlichen Strategie. In seiner Serie „Crusaders“ führt er uns nicht in die Wüsten des Iraks oder den Dschungel von Vietnam, sondern bleibt der eigenen Heimat, dem südhessischen Darmstadt, verhaftet. Die Motive für seine Fotografien stammen vom Gelände eines ehemaligen Stützpunktes der US-Armee, den diese nach dem Sieg gegen Nazideutschland bezogen hatten und noch lange nach Ende des Kalten Krieges als militärische Enklave nutzten. Damit gelingt es Albrecht-Schoeck das heute meist sehr in die Fremde entrückte Thema des militärischen Eingreifens der Amerikaner auf eine persönliche Ebene zu heben. Denn in der anhaltenden Diskussion um das amerikanischen Militär und ihrer weltweit verstreuten Aktionen vergisst man langsam die fundamentale Bedeutung, die mit der Befreiung Deutschlands durch eben diese Streitkräfte für unseren heutigen Wohlstand verbunden ist. Auch scheinen uns die Bilder der GI´s in ephemeren Wüstenzeltstädten vertrauter als die Spuren der ehemaligen Besatzungsmacht vor der eigenen Haustür.

 

Mit dieser Herangehensweise bleibt Albrecht-Schoeck seinem journalistisch-dokumentarischen Stil zunächst treu, indem er uns einen verbotenen Ort vor Augen führt, der zwar seit jeher streng bewacht, jedoch seit den Anschlägen des 11. Septembers für Besucher gänzlich geschlossen wurde. Doch wie immer genügt es dem Künstler nicht eine nüchterne Dokumentation abzuliefern. Durch das inszenierte Spiel mit Perspektiven, Licht und Farbe erhalten die Fotografien einen ästhetischen Wert, der zunächst den Blick des Betrachters einfängt, um dann als visuelles Gerüst für die Details der Aufnahmen zu sensibilisieren. Was uns die Werke zeigen ist eindrücklich, handelt es sich doch um eine scheinbar intakte Infrastruktur, um eine funktionsfähige Stadt, die im um Wohnraum kämpfenden Darmstadt natürlich Begehrlichkeiten hervorruft. Zu sehen sind neben modernen Wohnhäusern, auch Werkstätten, verschiedene Sportanlagen, ausreichend Parkmöglichkeiten, Kindergärten, Schulgebäude und sogar bewaldete Grünflächen. Die scheinbar zivilen Anlagen tragen dabei nur wenige Spuren ihrer Militärgeschichte, die auch nur dann gelesen werden können, wenn man über die historische Entwicklung des Ortes unterrichtet wurde. Die offiziellen Zeichen der Vergangenheit wurden sorgfältig entfernt und abmontiert. Lediglich einige Lagerräume, Container und liegengelassene Türen tragen noch englische Aufschriften wie u.a. „Crusaders“, Name einer einst in Darmstadt stationierten und nun titelgebenden militärischen Einheit.

 

Beim Betrachten der Bilder, das einem Durchschreiten der Anlage nahe kommt, stellt sich jedoch ein unumgängliches Gefühl des Unbehagens ein. Vergeblich sucht man in den Aufnahmen nach spielenden Kindern, Mechanikern oder gar Soldaten. Denn so sehr die Architekturen und Plätze auch gewöhnlich erscheinen, so sehr werden einem das Fehlen seiner Bewohner und die überwältigende Leere bewusst. Und auch wenn die Rasenflächen noch regelmäßig gestutzt werden, das Netz auf dem Tennisfeld in Spannung gehalten wird, ist es anhand des sprießenden Unkrauts, der bröckelnden Fassaden und umgestürzter Bäume doch offensichtlich, dass der Verfall der Anlage leise voranschreitet. Fasst man die Erfahrungen zusammen die uns Albrecht-Schoeck mit seiner Serie ermöglicht, fühlt man sich unweigerlich in die Ästhetik moderner Horrorfilmszenarien versetzt. Ohne das Wissen für den Grund der bedrückenden Leere erwarten unsere hollywood gedrillten Sehgewohnheiten geradezu das Auftauchen von Untoten, die sich jeden Moment aus den dunklen Ecken erheben und uns nach dem Leben trachten.

 

Doch die Möglichkeit des Abdriftens in fiktionale Welten versperrt Albrecht-Schoeck durch das Hinzufügen einer weiteren medialen Ebene. Es sind die erschreckenden und doch allzu vertraut wirkenden Kriegserfahrungen eines ehemaligen US-Soldaten, die den hermeneutischen Kreis der hier erzählten Geschichte schließen. Es ist die wahre, doch schon beinahe zum Allgemeinplatz verkommene Geschichte eines jungen Mannes der sich aus finanziellen Gründen verpflichten lies, um für Werte zu kämpfen, die vom Lichte permanenter Bedrohung und stetiger Angst immer weiter in den Schatten gestellt wurden. Die Worte des anonymen Soldaten berichten nicht nur von dessen Erfahrungen, sondern auch von dem psychischen Ballast, den er fortan mit sich trug und die es ihm unmöglich machten ein zweites Mal in den Krieg zu ziehen. Als Dienstverweigerer wurde er daraufhin unehrenhaft aus der Armee entlassen, das fest eingeplante Geld hat er nie erhalten.

 

Die Kombination aus den ruhigen, zum verweilen auffordernden Bildern und den aufrührenden Schilderungen fordern den Betrachter heraus. Zu Recht fragt man nach der Verbindung zwischen dem deutschen Armeestützpunkt und dem individuellen Schicksal. Und tatsächlich liegen die Gemeinsamkeiten nur im militärischen Hintergrund und der einfachen Tatsache, dass der unbekannte Soldat am Anfang seiner Laufbahn auf eigenen Wunsch in Darmstadt stationiert war, bevor er über Kuwait in den Irakkrieg geschickt wurde. Während er den Aufenthalt in Deutschland als eine paradiesische Zeit erfuhr, erlebte er im Folgenden die Hölle auf Erden, in der er als junger Mann Erfahrungen machte, die nie wieder zu vergessen sind.

 

 

Die Arbeit „Crusaders“ schickt uns demnach auf eine Reise, die dem Schicksal des Soldaten, wenn auch inszeniert, so doch parallel gegenübersteht. Es ist der kurze Weg vor die eigene Haustür und die anschließende Gewissheit über die nicht zu leugnenden Verbindungen zu den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Auch wenn das Werk Albrecht-Schoecks niemanden anklagt und auch keine Antworten zu geben vermag, so ist seine Funktion im Sinne eines mobilen Mahnmals doch offensichtlich. Das Spiel mit der schon längst erlernten Betroffenheit und den nüchternen Fotografien bietet die alternative Möglichkeit einer bewusst offengehaltenen und ganz individuellen Auseinandersetzung mit dem Thema. Denn während die Worte des Soldaten in unseren Köpfen schallen, wandern wir durch die Spuren vergangener Zeiten und werden dabei auf nichts weniger zurückgeworfen als auf uns selbst

Über die Arbeit "STEIN SCHERE PAPIER" / Text verfasst von Fabian Reifferscheidt M.A.

 

Ich sehe was, was du nicht siehst…

 

Die neuesten Werke Florian Albrecht-Schoecks verbindet eine besondere Herangehensweise, die in ihrem formalen Ausdruck Anklänge an Werke der klassischen Moderne aufweist. Leicht ließen sich Parallelen zur lyrischen Gegenstandslosigkeit Informeller Malerei, den konzeptuell zerstörten Leinwänden eines Lucio Fontanas oder der Strenge einer geometrischen Abstraktion aufzeigen; kurz gesagt, Albrecht-Schoeck bedient sich malerischer Mittel, die dem nüchternen Anspruch dokumentarischer Fotografie widersprechen.

 

Bei den Werken handelt es sich vorwiegend um extreme Nahansichten, die den Bildern einen fast grafischen Charakter verleihen. Doch was in der Malerei eine spielerische Suche nach neuen Ausdrucksformen war, entnimmt Albrecht-Schoeck der Realität. Abgelichtet wurden hier Versuchsobjekte: Panzerglas, Tresorwände und Sicherheitstüren, deren Oberflächen, im Namen der Sicherheit, mit Schüssen, Schnitten und Explosionen malträtiert wurden. In der deutlichen Betonung dieser Verletzungen liegt der unmittelbare Zugang für den Betrachter.

 

Das Ausmaß der Zerstörung deutet bereits an, was die Bildunterschriften bestärken: Hier wird Krieg gespielt! Dass Europa Produzent und Lieferant hochwertiger Sicherheits- und Waffentechnik ist, die in verschiedensten Kriegsgebieten auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen, ist bekannt; dass dies jedoch ein nur schwer zu kontrollierendes Geschäft ist, zeigte sich jüngst in Libyen als deutsche Waffen aus den Lagern des einstigen Diktators auftauchten.

 

Albrecht-Schoeck nähert sich dem schwierigen Thema der Kriegsmaschinerie über eine künstlerische Hintertreppe. Die inszenierten Bilder entziehen sich der gewohnten Optik erschütternder Berichtserstattung, die uns täglich medial serviert wird. Nicht der Krieg wird hier vor Augen geführt, sondern die ihn unterstützenden Kräfte in der eigenen Heimat. Dabei nehmen zunächst die Kompositionen, deren Spuren von Gewalt einen physischen Referenzpunkt für den Betrachter bilden, den Blick gefangen.

 

Albrecht-Schoeck gelingt in “Stein-Schere-Papier” eine spielerische Gratwanderung zwischen dokumentarischem Anspruch und fesselndem Ausdruck. Es handelt sich dabei nicht um eine plumpe Ästhetisierung des Schreckens, sondern um eine bildkünstlerische Strategie, deren Produkte sich als gesellschaftskritische Chiffren lesen lassen.

 

ie eine konstante Protagonistin der Nachrichtenwelt, deren Mitglieder mal als Befreier

AFTEЯ AFTEЯMATH

 

Eine Annäherung in fünf Akten von Fabian Reifferscheidt M.A.

 

Einleitung

Orte bedeuten mehr als Koordinaten auf einer Landkarte. In unseren Köpfen definieren sie sich zumeist über ihre soziologische Rolle als Ereignisträger, Schauplätze der Geschichte, dem Platz für´s Private oder als Leinwand der Zeiten und Systeme. Doch während die physischen Spuren der Geschichte zwangsläufig verblassen oder ihre vorhandenen Strukturen umfunktioniert werden, bleiben ihre Koordinaten bestehen und sofern einmal kontextuell festgehalten, als Information zur Verortung eines Sachverhalts geisteswissenschaftlich, somit strukturell konserviert. In After Aftermath nutzt Florian Albrecht-Schoeck diese sich wandelnden Sachverhalte, um sie im Medium der Fotografie zu verhandeln und die Betrachter auf verworrene Pfade zu führen. Gleichzeitig gelingt es ihm dabei, dieses Verhältnis umzukehren und das Medium der Fotografie im Verhältnis zu den ihr anhaftenden gesellschaftlichen und medienspezifischen Konventionen auf eine künstlerische Metaebene zu heben.

 

Die Einheit des Ortes im Wandel der Zeit

Den Auftakt meiner Annäherung bildet eine Aufnahme, die an der lettischen Ostseeküste entstanden ist. Im Bildzentrum der Strandlandschaft befindet sich ein quadratischer Holzpavillon, der, ausgestattet mit dekorativer Plastikflora, vier Stühlen und einem Tisch, den Charme maritimer Idylle transportieren möchte. Der Küstenabschnitt und die abgebildete Architektur gehören zum Einzugsgebiet vorwiegend russischer Urlauber, die auf der Flucht vor dem stressigen Alltag, den sprichwörtlich ruhigen Hafen anlaufen. Schon einmal befand sich die Gegend fest in russischer Hand. Während des Kalten Krieges gehörte sie zu einer militärischen Sperrzone der sowjetischen Marine, in der die Ostseeflotte der sozialistischen Republik vor Anker lag. Hier verwendet Albrecht-Schoeck die Fotografie als Chiffre für größere Zusammenhänge, denn in gewisser, durchaus heuristischer Sichtweise, scheint sich Geschichte innerhalb der Einheit dieses Ortes zu wiederholen.

 

Sein oder nicht sein

Es ist zunächst eine banale Erkenntnis, dass der Großteil ortsgebundener Artefakte in der ständigen Aufeinanderfolge wechselnder Generationen durch Neues überschrieben wird. Dennoch bildet dieser Umstand den methodischen Kern der Serie After Aftermath. Der historisch aufgeladene Ort, der im Grunde nur als Koordinate konkret definiert werden kann, bildet den Ausgangspunkt einer tiefgreifenderen Betrachtung von Raum und Zeit. Der Wandel seiner sichtbaren Bespielung, seiner Funktionalisierung, Umfunktionalisierung oder Entmaterialisierung hingegen entpuppt sich als das eigentliche Thema der Arbeit. Die Geschichte des Unternehmers Oskar Schindler etwa, der während des Zweiten Weltkrieges circa 1200 jüdische Zwangsarbeiter vor dem sicheren Tod in deutschen Vernichtungslagern bewahrte, gehört als hoffnungsvolles Kapitel bewundernswerter Menschlichkeit zum populären Kanon moderner Geschichtsschreibung. Eine Heldengeschichte deren Handlungsort im polnischen Krakau nach wie vor bekannt ist. Obwohl die Architektur der Emaille- und Munitionsfabrik Schindlers heute nicht mehr besteht, avancierte dessen ehemaliger Standort, also dessen Koordinate, zum Magneten für geschichtsbewusste Touristen, die, geleitet und abkassiert durch geschäftstüchtige Fremdenführer, auf einer charakterlosen Grünfläche der imaginativen Aura der Geschichtsträchtigkeit nachspüren. In dramaturgisches Licht gehüllt, hält Albrecht-Schoeck in Funktion des Pilgers den Ort in diesem Sinne fest. Ein Ort der ohne Frage zur Identität Europas gehört, manifestiert in einer inszenierten Fotografie, die uns einerseits zeigen will, dass es diesen Ort gibt. Die uns aber andererseits klar macht, dass sie an dieser Aufgabe gemessen, zwangsläufig scheitern muss.

 

Fallende Handlung mit retardierendem Moment

In seinem ästhetischen Reiz steht die nun besprochene Fotografie, den zuvor beschriebenen Arbeiten in nichts nach. Zu sehen ist ein innerhalb des Bildausschnitts streng komponiertes Architekturensemble, das sich in räumliche Ebenen staffelt. Den Hintergrund bildet die Fassade eines mehrgeschossigen Gebäudekomplexes. Davor erhebt sich eine schwer bestimmbare Bauform aus gemauerten Ziegelsteinen, die als prägnanter Solitär das Bildzentrum bestimmt. Es folgt die Ruine eines Mauerabschnitts, dessen zweifarbige Gestaltung auf bessere Zeiten verweist, bevor die Komposition schließlich von einem asphaltierten Vordergrund abgeschlossen wird. Das Bild enthält die nötigen Zutaten einer komplexen Erzählung. Die Vereinigung der architektonischen Versatzstücke im Bild – die als urbanes Ensemble eher dem Zufall anstelle eines stadtplanerischen Konzepts zu verdanken ist – evoziert die, einst von Walter Benjamin propangierte „Chockwirkung“, mit deren ihr inhärenten Kombinatorik unzusammenhängender Elemente, es der Fotografie gelingt, Geschichte einzufrieren und lesbar zu machen. Die dem Untergang anheim gefallene Mauer beispielsweise zeugt vom Vergehen und verweist auf das Vergangene, die als Detail zu erkennende Wäscheleine hingegen zeugt von Leben und verweist auf Gegenwärtiges. Mit der Fotografie führt uns Albrecht-Schoeck auf den Parkplatz eines Offenbacher Supermarktes, von dem ich nicht mehr berichten kann, als dass hier unter Umständen mal ein Sack Reis umgefallen ist.

 

Schluss

Albrecht-Schoeck verbindet in seiner Serie Orte, die sich in ihren soziologisch-historischen Dimensionen stark voneinander unterscheiden. Während die einen anhand außerbildlicher Kontextualisierung in die große Erzählung der akademischen Geschichtswissenschaft eingeschrieben werden können, bleiben die anderen anonym und weitestgehend unbestimmt. Im Grunde haben die Motive der Serie somit nur wenig miteinander gemein. Was jedoch alle Fotografien verbindet, ist die Handschrift des Fotografen, die sich in der Qualität der einzelnen Aufnahmen, als auch in ihrer Zusammenstellung als Gruppe niederschlägt. Unter dieser Handschrift vereint, wird klar, dass die werkimmanenten Informationen bei allen Aufnahmen die gleiche Komplexität aufweisen. Oder könnten Sie bestimmen, welche der Fotografien mehr zu berichten hat, oder gar bedeutender ist? Zudem scheint es überheblich, aus dem eigenen Bewusstsein heraus, die eine Koordinate über eine andere zu erheben. Denn Geschichtsschreibung – und hier ist sich die Forschung mittlerweile einig – hängt immer vom Standpunkt seines Verfassers ab. Als ästhetische Gebilde funktionieren die Fotografien Albrecht-Schoecks alle gleich. After Aftermath führt uns damit die Tragödie der Fotografie in ihrer Auslegung als Dokument deutlich vor Augen. Weder kann es ihr gelingen komplexe Zusammenhänge zu beweisen, noch die Vergangenheit authentisch zu nachzuerzählen.

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal den Ausgangspunkt der Serie, dem fotografischen Nachspüren des soziologischen und physischen Wandels unterschiedlich aufgeladener Orte und kombinieren dies, mit der gewonnenen Erkenntnis, dass Geschichte ein Konstrukt ohne physische Präsenz ist, so offenbart sich der vom Fotografen angewendete Kunstgriff, der den eigentlichen Wert der Serie ausmacht. Albrecht-Schoeck fungiert in seiner Arbeit als Essayist, dem es jedoch gelingt, tradierte Formen der Geschichtsschreibung zu überwinden und die Allgemeingültigkeit historischer Entwicklungen unabhängig von bereits geschriebener Erzählungen herauszuarbeiten. Durch die Nivellierung bzw. Egalisierung von exponierten und banalisierten Orten im Bild und in Serie gelingt es ihm auf eindrückliche Weise der Fotografie neues Leben einzuhauchen. In seiner medientheoretischen Dimension avanciert After Aftermath somit zur Metakunst, die losgelöst von jedweder Tagespolitik, zeitlose Perspektiven öffnet. Eine Eigenschaft, die gerade der Fotografie nur sehr selten abzugewinnen ist.

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